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Ornament

Das Ornament spielt in der Kunst und Architektur der islamischen Welt eine wichtige, wenn nicht entscheidende Rolle. 

Bevor wir das Ornament in den Blick nehmen, und uns seiner Bedeutung bzw. Interpretation in der islamischen Kunst und Architektur zuwenden, müssen wir uns zunächst Klarheit über den Begriff islamische Kunst (unter Einschluss der Architektur) verschaffen, zum einen weil dieser Terminus je nach Belieben bzw. Intention (abhängig z.B. von Herkunft, Ausbildung, kultureller Prägung und ’Zeitgeist’) sehr unterschiedlich verstanden und benutzt wird, zum anderen, weil oft das Ornament als wesentliches Charakteristikum islamischer Kunst verstanden wurde (wird) und somit im Zentrum des Interesses stand (steht). Die Definitionen von ”Islamischer Kunst” reichen von einem sehr eng gefaßten, den religiösen Aspekt in den Vordergrund rückenden Verständnis bis zu einer weiten Definition, die z.B. auch die Kunstwerke von Nicht-Muslimen miteinschließt, wenn diese in einem islamisch dominierten Umfeld entstanden sind. Deshalb ist die Forschung dazu übergegangen, anstelle von „Islamischer Kunst und Architektur“ von „Kunst und Architektur der islamischen Welt“ zu sprechen, bzw. benutzt in den letzten Jahren zunehmend (vor allem im Englischen) den Begriff ”Art and Architecture of the Islamicate World“. Dieser terminus wurde zunächst von dem us-amerikanischen Historiker Marshall Hodgson (1922-1968) eingeführt, der ihn folgendermaßen definiert: Islamicate is something that "...would refer not directly to the religion, Islam, itself, but to the social and cultural complex historically associated with Islam and the Muslims, both among Muslims themselves and even when found among non-Muslims.” In diesem Zusammenhang müssen wir uns die Tatsache vergegenwärtigen, daß die islamische Kunstforschung eine europäische ’Erfindung’ des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist, und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von ’westlichen’, d.h. europäisch-amerikanischen Forschern und Institutionen dominiert wurde. Dies hat dazu geführt, daß die Erforschung und damit auch die Definition, was Islamische Kunst ist (d.h. was sie ein- bzw. ausschließt, wann sie beginnt und endet, etc.), über lange Zeit und in ihrer prägenden Phase in der Mehrheit von Kunsthistorikern (und Archäologen) geleistet wurde, die zunächst Spezialisten für europäische Kunst (oder Klassische Archäologie) waren, und deren Sehgewohnheiten und Interpretationsmodelle insbesondere an europäischer (Tafel-)Malerei (oder antiken Statuen) geschult und ausgeprägt worden waren. 

Quelle: Joachim Gierlichs, Das Ornament in der Islamischen Kunst und Architektur (2018) siehe  https://www.academia.edu/39402029/Das_Ornament_in_der_Islamischen_Kunst_und_Architektur

Montag, 08. Juli 2013